23. November 2011

Dienstreise nach Spanien (4) – Die Seilbahn zum Stadtrand

Ich habe in Madrid definitiv den wärmsten Geburtstag meines Lebens verbracht. Wir hatten 20 °C und Sonne. Das hieß: kurze Hose und Sonnebrille! Es hat sich angefühlt wie im Sommer. Man musste sich immer zurück ins Gedächtnis rufen, dass es Ende Oktober war.

Ruderboote auf dem See
Ruderboote auf dem See
Unsere Mittagspause verbrachten wir im Park del Retiro. Ein großer Park im Zentrum der Stadt, der an diesem Samstag von Einheimischen und Touristen gut bevölkert war. In der Mitte war ein See. Dort konnte man sich Ruderboote ausleihen. Was ein sehr lustiges Bild war, weil es wirklich viele Boote gab. Es sah ein bisschen aus wie beim Auto-Scooter auf dem Jahrmarkt. Hier und da kollidierten Boote, befüllt mit etwas übermütigen jungen Leuten. An einer Stelle war eine kleine Fontäne. Die natürlich gern angesteuert wurde, um die Insassen nass zu machen. Und den Fahrer meist auch, weil er so schnell nicht manövrieren konnte.

Ein großes Monument wachte über dem See. Bestimmt von irgendso einem Alfonso. Könige gab es ja genug in Spanien. Vom „König“ Franco haben wir aber kein Standbild gesehen. Bei den Spaniern weiß man nie, so schnell sind sie ja nicht mit ihrer Geschichtsaufarbeitung. Aber zurück zum Park. An einer Ecke zeigten Inline-Skater ihre Tricks, einige hatten auch Rollschuhe an. Die herbstlichen Bäume sorgten für ein schönes Farbenspiel.

Der außergewöhnliche Bahnhof
Der außergewöhnliche Bahnhof
Im Reiseführer wurde uns empfohlen, einen Bahnhof anzuschauen. Was sollte so besonders an einem Bahnhof sein? Die überdachte Wartehalle war ein riesiges Gewächshaus. Hier wuchsen Bananenstauden, Palmen und andere Gewächse aus südlichen Gefilden. Draußen fühlte man sich südlich, hier drin tropisch. Eine großartige Idee, einen Bahnhof zu so einer Attraktion aufzuwerten!

Der öffentliche Nahverkehr in Madrid ist vorzüglich. Die Innenstadt ist von einem unheimlich engmaschigem U-Bahn Netz durchzogen. Man muss selten länger als 200 m laufen, um zur nächsten U-Bahn Station zu kommen. Das gibt es nicht in Paris und auch nicht in London. Dann gibt es noch eine S-Bahn zur Überwindung von größeren Distanzen. Einen kleinen Nachteil gibt es aber schon: die U-Bahnlinien sind im Lauf der Zeit immer weiter in die Tiefe gewandert. Was dazu führt, dass man teilweise 10 Minuten zum Umsteigen braucht, weil man von knapp unter der Oberfläche fast eine Reise zum Mittelpunkt der Erde unternehmen muss.

Von Madrid nach Baunatal
Von Madrid nach Baunatal
Die Stationsnamen sind hier öfters mal zum schmunzeln. Cuatro caminos – vier Wege führen wohin? Dann gibt es Tribunal. Da hab ich eigentlich immer erwartet, gleich in einen Gerichtssaal zu kommen, wo ein Kriegsverbrecher gerade verurteilt wird. Dann ein so mystischer Name wie Mar de cristal – gläsernes Meer. Ich habe mir eine landschaftlich tolle Mini-Wüste inmitten der Stadt vorstellt. Meine Phantasie war blühend. Im Endeffekt war es eine Plattenbauten-Wüste. Den Vogel abgeschossen aber hat eine Station namens Baunatal. Damit kann unmöglich das Baunatal bei Kassel gemeint sein, dachte ich. Doch, ist es!! Ein Vorort von Madrid ist mit Baunatal verschwistert und so hat man flugs eine U-Bahn Station danach benannt.

Die Seilbahn über dem Park
Die Seilbahn über dem Park
Man kann der Großstadt an vielen Stellen entfliehen. Eine der schönsten ist per Seilbahn. Mit den 70-er Jahre Kabinen fährt man, ohne einen großen Höhenunterschied zu überwinden, quer über den großen Stadtpark. Mit schöner Sicht auf den Palast und die Kathedrale fährt man in einen zunehmend kargeres Gelände. Hier gibt es viele Nadelbäume, die aber mitunter nur spärlich gesät sind. Am braunen Gras kann man erahnen, wie heiß es im Sommer hier wird. Man schaut auf die umliegenden sanft ansteigenden Hügel. Das hat mich an Tunesien erinnert.

Blick auf Schloss und Kathedrale
Blick auf Schloss und Kathedrale
Vom Park aus hat man dann einen wunderbaren Blick auf die Stadt, auf die vielen alten Gebäude, aber auch auf die vier Hochhäuser im Finanzzentrum Madrids. Auf der anderen Seite ist ein Freizeitpark, hin und wieder sieht man wie eine Achterbahn durch Loopings fährt und hört dann, leicht verzögert, die Schreie der Mitfahrer. Kinder tollen in einem Spielplatz umher, Verliebte genießen die Sonne und die Abgeschiedenheit. Kurz bevor die Sonne untergeht, setzen wir wieder über.

Der Tempel
Der Tempel
Dort laufen wir zu einem nahegelegenen Tempel, der, Stein für Stein, aus Ägypten rangekarrt wurde und wieder aufgebaut wurde. Als Dank für die Hilfe Spaniens bei der Rettung von Abu Simbel. Im Reiseführer angepriesen, waren wir von dem überschaubaren Bauwerk etwas enttäuscht. Man konnte nirgends rein gehen, zwei Polizisten standen lustlos an einer Seite des Tempels und passten auf, dass auch ja keiner einen tonnenschweren Steinbrocken klaut. Wir hatten uns etwas größeres mit mehr Figuren vorgestellt. Immerhin hatte man von dort aus einen schönen Blick in den Sonnenuntergang.

Abends haben wir uns dann bei Zeiten ein Restaurant gesucht. In einer belebten Straße im Latina-Viertel gab es eins am anderen. Viele davon proppenvoll, einige sahen nur wie eine Bar aus, bei anderen gab es keine Speisekarte, die nächsten waren nicht in unserer Preisklasse und oft standen die Gerichte auch nur in spanisch dar. Nach pollo hört mein spanischer Essenswortschatz auf. Wir liefen relativ planlos in ein noch relativ leeres Restaurant rein. Es gab etwas ausgefallenere Sachen, die Portionen fielen etwas klein aus, aber es hat gut geschmeckt.

Wo viele Touristen sind, kann man auch viel verdienen. Das denken sich auch Straßenkünstler. Wenn sie schöne Musik machen oder ein bisschen singen können, dann finde ich das ja ganz lustig. Aber diese Pseudo-Standfiguren, die sich golden anmalen und kleiden und dann bewegungslos dort rumstehen, das geht einem mit der Zeit auf den Geist. Weil es so viele davon gibt. Viele sind ähnlich. Aber es geht noch einen Schritt nerviger: Leute, die sich wie ein überdimensioniertes Baby anziehen und sich in eine Vorrichtung quetschen, die wie ein Kinderwagen aussieht und dann schreien und Blödsinn machen. Oder drei Kappesköppe, deren Köpfe aus einem Tisch rausschauen, der rundherum blickdicht ist. Eine Weile sind sie unauffällig und still. Um dann ahnungslose Passanten zu erschrecken.

Der Plaza Mayor
Der Plaza Mayor
Es gibt viele schöne Plätze, aber einer sticht besonders heraus, der Plaza Mayor. Er hat eine rechteckige Grundfläche und ist von allen Seiten von roten Häusern begrenzt. Die Häuser haben vier kleine Türmchen, die symmetrisch angeordnet sind. Der Platz besteht aus Pflastersteinen, was sonst eher unüblich ist. Viele Restaurants gibt es hier, die teilweise ihre Tische auch unter Arkaden aufgestellt haben. An einigen Häusern sieht man Wandgemälde. Er hat seinen ganz eigenen Charme, weil man sich ins 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlt. Keine Autos, keine moderne Technik, keine riesige Beleuchtung. Wirklich schön.

Jessi, im Hintergrund Madrid
Jessi, im Hintergrund Madrid
Sonntagmittags musste ich Jessi dann schon wieder zum Flughafen bringen, was mir zugegebenermaßen schwer fiel. Die schöne gemeinsame Zeit war vorbei. Ich habe auch in der Zeit danach natürlich noch Madrid erkundet, aber es war alles etwas grauer, einsamer und weniger interessant. Madrid ist eine tolle Stadt, sie hat mich fasziniert, weil es hier Parks zum ausspannen genauso gibt wie quasi an jeder Ecke historische Gebäude. Und ein internationales Flair. Es gibt überall Highlights, ganz im Gegensatz zu Valencia, wo mir genau ein Highlight aufgefallen ist. Aber wie schön die Stadt ist, in der man ist, das ist sekundär. Es kommt darauf an, mit wem man die Stadt zusammen erobert. Und mit Jessi macht das so unheimlich viel Spaß. Vielen Dank :) Du hast mir meinen Geburtstag wirklich versüßt :)

Schließen möchte ich die Serie über meine Dienst- und Urlaubsreise nach Spanien mit einem Zitat, das vieles widerspiegelt, was ich in der Woche erlebt habe: „Happyness is only real when shared

10. November 2011

Dienstreise nach Spanien (3) – Mit Warp 3 in die Weltstadt

In Spanien wird dieser AVE Ente genannt
In Spanien wird dieser AVE Ente genannt
Am Freitag dann ging es nach Madrid – in Hochgeschwindigkeit. Mit dem AVE, dem spanischen ICE, der 300 km/h fährt. Was viele nicht wissen: weder Deutschland, noch Frankreich hat das längste Hochgeschwindigkeitsnetz Europas, sondern Spanien. Ich fuhr mit einer spanischen Eigenentwicklung 1:38 h und überwand die Strecke von 390 km. Das sind 240 km/h im Durchschnitt. Zum Vergleich: für die längste deutsche Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Würzburg und Hannover, die etwas kürzer ist als die Strecke Madrid-Valencia, braucht man eine halbe Stunde länger. Technisch gesehen sind die Züge gleich, nur anhalten tun sie halt öfters. In Spanien hielt der Zug nicht. Sondern bretterte mit Geschwindigkeiten zwischen 250 km/h und 300 km/h durch.

Im Sauseschritt nach Madrid
Im Sauseschritt nach Madrid
Die Landschaft zog an einem vorbei. Braune Felder, ein paar Wälder, kleinere Berge und ein paar Seen. Es war eine karge Landschaft. Ich habe allenfalls Dörfer auf der Strecke gesehen. Im Gegensatz zum Zug fuhren die Autos auf der Autobahn Schrittgeschwindigkeit. Ich erfreute mich wie ein kleines Kind an den hohen Geschwindigkeiten. So wie in Frankreich und Spanien die Züge fahren, das ist die Zukunft des Fernverkehrs. So wie sie in Deutschland fahren, nicht. Die Bahn muss dringend daran arbeiten, sonst wird sie auf längeren Strecken nie konkurrenzfähig. Nicht zum Auto und auch nicht zum Flugzeug.

In Madrid kam ich dann pünktlich an. Genau genommen musste der Zug noch 10 Minuten vor dem Bahnhof warten, weil er überpünktlich war. Ich kam an einem AVE-Bahnhof an. In Spanien gibt es separate Bahnhöfe für schnelle Verbindungen. Gedrängele gibt es nicht, weil nur Leute auf den Bahnsteig kommen, die auch dort mit dem Zug fahren wollen. Alle anderen warten im Empfangsgebäude. Das in Spanien alles etwas zivilisierter und geordneter abläuft als in Deutschland, das hat mich schon etwas überrascht.

In der U-Bahn war es aber dann nicht mehr so geordnet. Es war rappelvoll. Wie in der ganzen Stadt. Ich hatte ein Zimmer an einem zentralen Platz, am Puerta del Sol gebucht. Mitten im Trubel. Abends waren dann die Tage der Einsamkeit endlich vorbei, ich holte Jessi vom Flughafen ab. Der mit der U-Bahn auch gut zu erreichen war. Das 3 Tages-Ticket war übrigens ähnlich günstig wie in Valencia.

Madrid ist eine pulsierende Stadt. Besonders natürlich abends, wenn die Jugend auf den Straßen ist. Nicht, um zu demonstrieren, sondern zum Vergnügen. In Seitenstraßen boten Schwarze gefälschte Uhren und gefälschten Schmuck an. Die hatten sie auf einem weißen Tuch ausgebreitet. An den Ecken war das Tuch mit Schnüren befestigt. Als ein Polizeiauto in die Gasse einbog, zogen sie an den Schnüren und verschwanden in Windeseile mit ihrem überdimensionierten Turnbeutel.

Ich habe ja schon erzählt, dass man hier nicht vor 20 Uhr essen geht. Wir waren also frohen Mutes, als wir noch um 23.30 Uhr etwas zu essen suchten. Aber das war dann schon wieder schwierig. Die meisten Restaurants hatten zu und in Kneipen wussten wir nie so genau, ob wir was zu essen bekamen. Wir wählten so einen Alex-Verschnitt, der hier Café & Té hieß. So besonders schmeckte es nicht, aber es war was zu essen. Und es war kein einsames Abendessen, das war die Hauptsache.

Frühstück bei Starbucks
Frühstück bei Starbucks
Den nächsten Morgen, es war mein Geburtstag, begannen wir mit einem Besuch bei Starbucks. Nicht gerade typisch spanisch, aber wir hatten Lust darauf und es war nicht weit entfernt. Damit mir auch niemand mein Getränk wegnahm, wurde ich nach meinem Namen gefragt. Als ich diesen sagte, schauten sie mich wie ein Auto an. Ich wiederholte ihn. Dachte darüber nach, ihn zu buchstabieren. Aber dann kam mir eine besser Idee: gibt’s den Namen auch in Spanisch? Clemente! Die Bedienung strahlte. Den Namen kannte sie und konnte ihn auch auf den Becher schreiben.

Hier in der Hauptstadt war englisch übrigens kein Problem. Jeder sprach englisch, ein ziemlich krasser Unterschied also zu Valencia. Überhaupt sind die Leute in der Küstenstadt etwas verschlafen, während sie hier doch mehr auf der Höhe der Zeit zu sein scheinen. Eine echte Weltstadt eben.

Auf der Gran Vía
Auf der Gran Vía
Man läuft von einem schönen Platz zur nächsten architektonischen Schöheit. Man läuft die Gran Vía runter, der Champs-Elysées von Madrid. Prachtvolle Gebäude links und rechts. Dann kommt man zum Plaza de España, einer Grünanlage mit Cervantes-Monument, umgeben von Hochhäusern, die vorsichtig in das Stadtbild eingegliedert sind. Ein paar hundert Meter weiter kommen das Schloss und die Kathedrale. Man läuft quasi alle fünf Minuten an historischen Gebäuden vorbei. Die Dichte von diesen ist wirklich beeindruckend.

Die Kathedrale
Die Kathedrale
Der Palast ist durch keine Mauer umgeben, durch keinen Zaun. Davor stehen ein paar unscheinbare Polizisten. Ganz im Gegensatz zu London wird hier kein großes Brimborium gemacht. In der direkt gegenüber des Palastes gelegenen Kathedrale begrüßten uns dann mehrere Bischöfe. Gut, ich weiß nicht, ob es wirklich welche waren, jedenfalls hatten sie purpurne Käppis auf. Um sie herum wuselten hunderte von Nonnen. Und das ist nicht übertrieben. Es gab weiße Nonnen in schwarzen Umhängen, und schwarze Nonnen in weißen Umhängen. Ob man schwarze Nonnen in schwarzen Umhängen nicht sieht? Na, jedenfalls turnten die in der Kathedrale rum und warteten auf den Start des Gottesdienstes. Irgendwas Besonderes haben sie offenbar an diesem Tag gefeiert. Was genau, weiß ich nicht. Aber es war sehr lustig anzuschauen.

5. November 2011

Dienstreise nach Spanien (2) – Yo no hablo español

Am Strand
Am Strand
Valencia liegt am Mittelmeer. Aber das Mittelmeer ist außen vor. Innenstadt und Meer sind etwa 5 km voneinander entfernt. Die U-Bahn Linie 5 fährt bis zum Mittelmeer. Theoretisch. Denn 3 Stationen vor der Endstation muss man von einer U-Bahn in eine Straßenbahn umsteigen. Das hat Symbolcharakter. Man ist immer nah am Meer, aber das Leben spielt sich in der Stadt ab. Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen und bin zum Strand gefahren. Mit Blick über den Hafen, wo große, bunte Hafenkräne das Bild dominieren. Das erinnert mich dann immer an Vancouver. Auf einer stegartigen Landnase lief ich dem Meer entgegen.

Die Surfer
Die Surfer
Einige Leute surften. Die Luft war mit 22 °C warm genug dafür, das Wasser aber sicherlich nicht mehr so warm um diese Jahreszeit. Auf einer Fläche von vielleicht 10 x 50 m entstanden so hohe Wellen, dass man darauf surfen konnte. Dort tummelten sich dann auch ein Dutzend Surfer. Diejenigen, die ich von näherem gesehen habe, waren übrigens nicht die typischen Surfer. Also zwischen 20 und 30 und furchtbar lässig. Die waren schon etwas älter, waren bärtig (das ist hier absolut in Mode!) und zitterten ganz schön, als sie aus dem Wasser kamen. Sonst war der Strand langweilig. Eine kleine Promenade mit Palmen, ein paar typische Strandrestaurants, von denen aber nur noch wenige auf hatten. Größtenteils ältere Paare spazierten dem Sonnenuntergang entgegen. Jungend traf man hier kaum an.

Klar war ich nicht allein in Valencia, aber ich kannte dort (fast) niemanden. Mein einziges Pflichtprogramm war die Konferenz und so machte ich mich jeden morgen los mit der U-Bahn Richtung Konferenzzentrum und jeden Nachmittag wieder zurück in Richtung Hotel. Dort verschnaufte ich meist kurz und erkundete dann die Stadt. Alleine. Mir ist aufgefallen, dass ich vorher noch nie alleine in einer fremden Stadt war. Immer war jemand dabei, den ich kannte. Das war also etwas total neues für mich. An den Abenden fühlte ich mich einsam. Einmal war ich alleine essen, in einem asiatischen Restaurant. Essen verkommt da zum notwendigen Übel. Alleine in einem Restaurant zu sitzen macht absolut keinen Spaß.

Das Konferenzzentrum
Das Konferenzzentrum
Stichwort Konferenz. Die Konferenz war das „Nuclear Science Symposium und Medical Imaging Conference“, kurz NSS-MIC. Wie ich feststellte, nicht unbedingt die relevanteste Konferenz für mich, weil dort nicht die Bildverarbeitung im Vordergrund steht, sondern die Erzeugung des Bildes. Also jede Menge Physik. Gut, hab ich mich halt in diesem Bereich weitergebildet. Die Konferenz fand im Konferenzzentrum statt (was für eine Überraschung!). Ein schöner, hoher, augenförmiger Bau im Norden von Valencia. Gebaut von Norman Foster. Der auch für einen Vortrag eingeladen werden sollte. Nachdem sie von seiner Gage hörten, sollte er nicht mehr eingeladen. Drumherum war ein bisschen Wasser und grünes Gras. Jeden Morgen stapfte ein Angestellter durch die Wasserbecken und holte die Dinge heraus, die die Konferenzteilnehmer (oder auch der Wind) dort reingeschmissen hatten. Im Gebäude  wurde viel mit Glas gearbeitet, so dass das Foyer Lichtdurchdrungen war. In den Sälen war dann eine angenehm schummrige Stimmung. Bei langweiligen Vorträgen drohte man immer einzuschlafen.

Aber einen Vortrag gab es, da ist garantiert niemand eingeschlafen. Ein kleiner Asiate mit großer Stimme und großem Enthusiasmus kam auf die Bühne. Er erzählte über sein Thema, als würde sein Vortrag über Leben und Tod entscheiden. Er hatte eine Vorliebe dazu, plastische Beispiele zu geben. So bestand eine Folie aus einem Mond-Bild. Message: dort gibt es viele lokale Minima, also viele Furchen in der Oberfläche. Er holte weiter aus. Mit einem anderen Algorithmus konnte man nur sehr schlechte Ergebnisse erzielen. Er erklärte uns, warum das so war und der Beamer warf einen illustrierten Albtraum an die Wand: Eine Kreatur streckt seine Hand bei Nacht nach einem Mädchen in einem Bett aus. Dann wollte er uns von einer Überraschung erzählen (nämlich seiner Lösung) – in diesem Moment ging der Beamer aus. Diese Überraschung meinte er wohl eher nicht. „Egal“, meinte er. „Ich kann euch das auch ohne Folien erzählen“. Es war herrlich. Das brachte endlich mal etwas Abwechslung in die meist recht monotonen Vorträge. Der Chairman dankte dem Asiaten dann auch „für seine Performance“, nicht „für den Votrag“, wie sonst üblich.

Yo no hablo español - Ich spreche kein spanisch. Bei unser Malaga-Reise war das nicht schlimm. Gut, das könnte daran gelegen haben, dass Victoria und Jessi spanisch konnten. Jetzt war ich auf mich allein gestellt. Und versuchte es mit englisch (und ab und zu sogar mit meinem rostigen französisch). Abgesehen vom Hotel und der Konferenz hat das nicht geklappt. Die Leute dort sprachen kein Englisch. Ich konnte mich trotzdem immer verständlich machen. Mit Händen und Füßen. Ich erklärte dem Typ von der Metro, dass ich eine 3-Tages Karte bräuchte und zeigte 3 Finger. Trois jours, three days. Er gab mir eine Fahrkarte für 10 €. Gut, das war wohl die 1-Tages-Karte. - Nein, war sie nicht. Metro-Fahren ist hier recht günstig. Ich bestellte mir einen Café con leche und dazu ein Croissant. Die Bedienung schwätze mich auf spanisch voll. Sie könne kein Englisch sprechen, würde es aber verstehen. Ich spreche kein spanisch, kann es aber auch ein bisschen verstehen. Im Supermarkt kapierte ich schnell, dass ich stets gefragt wurde, ob ich eine Tüte zu meinem Einkauf haben wolle. Nach kurzer Zeit konnte ich dann zumindest ein paar Brocken spanisch. Immerhin: in der U-Bahn war alles zweisprachig angeschrieben, auf spanisch und valencianisch…

Die Markthalle von innen
Die Markthalle von innen
Am letzten Abend dann gab ich der Altstadt noch einmal eine Chance. Und tatsächlich fand ich noch ein, zwei schöne Straßenzüge. Und eine halboffene Markthalle, die auch sehr schön war. Also, ob sie als Markthalle benutzt wird, weiß ich nicht. Vielleicht im Kellergeschoss. Frontal ein Backsteinbau, wie er auch in Norddeutschland hätte stehen können. Dann eine schöne weiße Dachkonstruktion. Innendrin waren in Kuben aus Glas kleine Cafés und Bars untergebracht. Da es warm war, konnte man sogar noch draußen sitzen. An diesem schönen Ort habe ich dann mein Abendessen eingenommen.